\input rwpdok.tex

\kap{2}{Theorie}

\ukap{Zwei-Niveau-Systeme}

\def\Ha{{H'}}   % Hamilton-Operatoren
\def\Hb{{H}}    %
\def\Aa{{B}}    % Transformations-Operator
\def\Sa{{\cal S}}      %\hbox{S\llap{\raise0.7pt\hbox{S}}}}
\def\Sb{{\bf S}}       % Spin-Operator
\def\Ab{{O}}    % beliebiger Operator

Der Ausgangspunkt des Tunnelmodelles (\Rref{And72}, \Rref{Phi72}) ist, wie
schon erw„hnt, die Annahme, daá die Tieftemperatureigenschaften von Gl„sern von
atomaren Tunnelsy\-stemen bestimmt werden. Zur mathematischen Beschreibung
dieser Tunnelsysteme werden meist Doppelmuldenpotentiale benutzt. Die
Tunnelsysteme im Mischkristall {KCl:Li} haben als Grundlage ein
Vielfachmuldenpotenial, lassen sich aber n„herungsweise ebenfalls mit
Doppelmuldenpotentialen beschreiben.

\uukap{Doppelmuldenpotential}

Zur Beschreibung eines Doppelmuldenpotentials geht man von zwei einzelnen
Oszillatorpotentialen aus, die sich teilweise �berlappen. In Bild~\Aref{domupo}
ist diese Situation dargestellt. Es ist das Potential in Abh„ngigkeit von einer
Konfigurationskoordinaten zu sehen.

Diese Konfigurationskoordinate kann z.B.~ein Bindungswinkel oder ein Abstand
sein. In {KCl:Li} ist  $d$ ein r„umlicher Abstand, z.B.~bei der Beschreibung
einer Tunnelbewegung entlang einer W�rfelkante (siehe Bild~\Aref{kclgiplt}).
Die N„herung des Potentials durch diese beiden Einzelpotentiale ist f�r die
Eigenschaften bei tiefen Temperaturen gut, solange die
Grundzustandsenergie~$\hbar\Omega/2$ der einzelnen Mulden klein gegen�ber der
Potentialbarriere~$V$ ist \Rref{Phi81}.


\midinsert
 \bl{7.5}{8}{domupo}{ Darstellung der einzelnen Parameter eines
  Doppelmuldenpotentials. Die ungest”rten Wellenfunktionen $\Psi_{\rm l}$ und
  $\Psi_{\rm r}$ der Einzelmulden sind bestimmt durch ihre
  Grundzustandsenergie~$\hbar\Omega/2$. Die Ener\-gie\-auf\-spal\-tung ist
  gegeben durch die Asymmetrieenergie~$\Delta$, die Masse des tunnelnden
  Teilchens~$m$, die H”he der Potentialbarriere~$V$ und den Abstand~$d$ in der
  Konfigurationskoordinaten. \medskip}
\endinsert

F�r die Rechnung geht man zun„chst von den gel”sten Einzelproblemen der beiden
Mulden aus. Die Wahrscheinlichkeit daf�r, daá das Teilchen durch die
Potentialbarriere tunnelt, h„ngt von deren Breite und H”he ab. Durch den
šberlapp der beiden Wellenfunktionen entsteht eine Aufspaltung der
Energieniveaus um \Rref{Sus64}


\Gle{}{\Delta_0 = \hbar\Omega\; {\rm e}^{-\lambda}
\quad , \qquad \hbox{mit}\quad \lambda = {d\over 2\hbar}\sqrt{2mV} .}

\ke
Der dazugeh”rige Hamiltonoperator ist dann gegeben durch

\Gle{}{{\Ha}_0 = { 1 \over 2 }
 \pmatrix{  \Delta   & -\Delta_0 \cr
           -\Delta_0 & -\Delta   \cr } }

\ke
wobei das Diagonalelement~$\Delta$ die Asymmetrieenergie der beiden
Einzelmulden beschreibt. Die gew„hlte Darstellung zeigt den Hamiltonoperator in
der Basis der Eigenvektoren $\Psi_{\rm l}$ und $\Psi_{\rm r}$. Die
Eigenzust„nde dieses Systemes sind aber nicht die Wellenfunktionen der
einzelnen ungest”rten Potentiale. Um die Basis der Energieeigenzust„nde zu
erhalten, muá der Hamiltonoperator mit Hilfe einer Transformationsmatrix~$\Aa$
diagonalisiert werden. Man erh„lt:

\Gle{}{ {\Hb}_0 = {\Aa}^{-1}\,{\Ha}\,{\Aa} = {1\over 2}
    \pmatrix{  E &  0 \cr
               0 & -E \cr } }

\ke
mit den Energieeigenwerten~$\pm E/2$, wobei gilt :

\Gle{}{ E=\sqrt{\Delta_0^2+\Delta^2_{\AH{3pt}}} }

Der Abstand der beiden entstandenen Energieniveaus ist $E$. Der šbergang vom
Grundzustand des einzelnen Oszillatorpotentials zum ersten Grundzustand
ben”tigt eine Energie von $\hbar\Omega$. Solange die Tunnelaufspaltung klein
gegen�ber der Anregungsenergie zum n„chsten Anregungszustand des Oszillators
ist, also $\Delta_0\!\ll\!\hbar\Omega$ gilt, beschreibt dieses Modell ein
Zwei-Niveau-System. Die Energieaufspaltung~$E$ ist dabei nicht nur durch die
Tunnelaufspaltung~$\Delta_0$ gegeben, sondern auch durch die
Asymmetrieenergie~$\Delta$.

\uukap{Kopplung an das elektrische Feld}

Bei den hier vorzustellenden Messungen wird mit Hilfe eines elektrischen Feldes
an das permanente Dipolmoment der Tunnelsysteme angekoppelt. \dots F�r nicht zu
groáe St”rungen kann f�r die Žnderung der Asymmetrieenergie ein linearer Ansatz
gemacht werden:

\Gle{DPF}{\AH{6mm}\delta\Delta = 2 \vek p \cdot \vek F(t)}

\ke
mit der Feldst„rke~$\vek F(t)$ und dem permanenten Dipolmoment~$\vek p$.
Der Hamiltonoperator in der $\Psi_{\rm l}$-$\Psi_{\rm r}^{\AH{3pt}}$-Basis
wird dann zu

\Gle{}{\Ha = \Ha_0 + \Ha_1,\quad \hbox{mit}\quad
    \Ha_1 = \pmatrix{ 1 & 0 \cr 0 & -1 \cr} \vek p \cdot \vek F(t)}

\ke
um in die Basis der Eigenfunktionen des Hamiltonoperators
zu wechseln, muá der
Transformationsoperator~$\Aa$ von oben angewandt werden, es ergibt
sich

\Gle{HamOp}{\Hb = {1\over 2} \pmatrix{ E & 0 \cr 0 & -E \cr} +
  {1\over E} \pmatrix{ \Delta   & -\Delta_0 \cr
                      -\Delta_0 & -\Delta   \cr} \vek p \cdot \vek F(t) }

Mit diesem Hamiltonoperator ist es jetzt m”glich,
die zeitliche Entwicklung des Tunnelsystemes zu berechnen.

\uukap{Spin-1/2-Analogie und Blochgleichungen}

Eine Betrachtung der Tunnelsysteme als Zwei-Niveau-Systeme, wie sie oben
gemacht wird, erm”glicht eine mathematische Behandlung analog zu
Spin-$1/2$-Systemen. Solche Spin-$1/2$-Systeme sind z.B.~Elektronen in einem
Magnetfeld. Nach \Rref{Fey57} l„át sich allgemein ein
System, das nur zwei Energiezust„nde besitzt, mit dieser Mathematik
beschreiben. Die zeitliche Entwicklung wird durch die Erwartungswerte des
Spin-Operators


\Gle{}{\Sb \;=\; \pmatrix{\Sa_x\cr\Sa_y\cr\Sa_z\cr}
     \; = \;{1\over 2}  \pmatrix{\sigma_x\cr%
                                 \sigma_y\cr%
                                 \sigma_z\cr} }

\ke
beschrieben, wobei die $\sigma_i$ die bekannten Paulimatrizen

\Gle{}{\sigma_x = \pmatrix{0&1\cr 1&0\cr},\qquad
              \sigma_y = \pmatrix{0&-{\rm i}\cr {\rm i}&0\cr},\qquad
              \sigma_z = \pmatrix{1&0\cr 0&-1\cr} }

\ke
darstellen. Bei der šbertragung der Rechnungen, bzw.~der Ergebnisse auf die
Tunnelsysteme m”chte ich zun„chst auf die Bedeutung des Erwartungswertes der
einzelnen Spinkomponenten eingehen. So steht $\EW{\Sa_x}$ f�r die induzierte
elektrische Polarisation der Tunnelsysteme. Die $z$-Komponente beschreibt in
der �blicherweise gew„hlten Darstellung die Besetzungszahldifferenz der
Tunnelsysteme. Eine weniger anschauliche Gr”áe ist der Erwartungswert von
$\Sa_y$. Er beschreibt keine meábare Gr”áe und ist mit einer
quantenmechanischen Phase gleichzusetzen.

\smallskip
Die quantenmechanische Beschreibung eines Ensembles von einzelnen Systemen
erfolgt �blicherweise mit Hilfe der Dichtematrix~$\varrho$ (siehe
z.B.~\Rref{Yar88}). F�r die Wellenfunktion~$\Psi$ in der Darstellung der
Energieeigenfunktionen

\Gle{WellFun}{\Psi \; = \; c_1(t) \Psi_+ + c_2(t)\Psi_- }

\goodbreak\ke
ergibt sich die Dichtematrix f�r $N$ Systeme \Rref{Gol81}

\def\Q{\AH{3pt}}%
\def\XX{\hbox{\vrule width 0pt height 10pt depth 7pt}}%
\Gle{DiMa}{\varrho =%
    \pmatrix{\XX\varrho_{11} & \varrho_{12} \cr%
             \XX\varrho_{21} & \varrho_{22} \cr}%
  = \sum_{i=1}^N P_i
    \pmatrix{\XX c_{1i}^{\Q}c_{1i}^* & c_{1i}^{\Q}c_{2i}^* \cr
             \XX c_{2i}^{\Q}c_{1i}^* & c_{2i}^{\Q}c_{2i}^* \cr}}

\ke
mit dem Anteil $P_i$ der Systeme mit der Wellenfunktion $\Psi_i$.
Allgemein gilt f�r den Erwartungswert einer Observablen $\Ab$:

\Gle{Erww}{\EW{\Ab}\quad = \quad\hbox{Spur}\,(\varrho \Ab)}

Damit ergeben sich f�r die Erwartungwerte der einzelnen
,Pseudo`-Spinkomponenten die Ausdr�cke

\GlNummer{PSpin}%
$$\eqalignno{
 \EW{\Sa_x} \quad =\quad & c_1^{\Q} c_2^* + c_2^{\Q} c_1^*
      & {\Fabc{PSpin}a}\cr
 \AH{16pt} \EW{\Sa_y} \quad =\quad & {\rm i}(c_1^{\Q} c_2^* - c_2^{\Q} c_1^*)
      & {\Fabc{PSpin}b}\cr
 \AH{16pt} \EW{\Sa_z} \quad =\quad & \vert c_1 \vert^2
            + \vert c_2 \vert^2 & {\Fabc{PSpin}c}\cr  }$$

Die oben erw„hnte Dichtematrix kann jetzt benutzt werden, um die zeitliche
Entwicklung dieser Erwartungswerte zu berechnen. Mit Hilfe der
Dichtematrix~$\varrho$ kann die Bewegungsgleichung so geschrieben werden:

\Gle{}{\dot{\varrho} \,=\,
{{\rm i}\over\hbar}\left[{\varrho,\Hb}\right]\,=\,
{{\rm i}\over\hbar}\left({\varrho\Hb -\Hb\varrho}\right)}

Durch Einsetzen des Hamilton-Operators aus Gleichung~\Fref{HamOp} erh„lt man
vier lineare Differentialgleichungen f�r die einzelnen Elemente der
Dichtematrix:

\GlNummer{VierDif}
\def\DT#1{{d\varrho_{#1}\over dt}\,=\,& {{\rm i}\over 2\hbar}}
\def\klam{\biggl}
$$\eqalignno{%
    \DT{11} A_0(\varrho_{21}-\varrho_{12}) & {\Fabc{VierDif}a}\cr
%-------------
\AH{0.8cm}\DT{12}\klam\{{
     -A_0 (\varrho_{11}-\varrho_{22}) - 2(E+A)\varrho_{12} }\klam\}
     & {\Fabc{VierDif}b}\cr
%-------------
\AH{0.8cm}\DT{21}\klam\{{
     A_0 (\varrho_{11}-\varrho_{22}) + 2(E+A)\varrho_{21} }\klam\}
     & {\Fabc{VierDif}c}\cr
%-------------
\AH{0.8cm}\DT{22} A_0(\varrho_{12}-\varrho_{21}) & {\Fabc{VierDif}d}\cr }$$

\ke
mit den Abk�rzungen

\Gle{}{%
   A=2\klam({\Delta  \over E}\klam)\vek p\cdot\vek F(t)\quad\hbox{und}\quad
 A_0=2\klam({\Delta_0\over E}\klam)\vek p\cdot\vek F(t)   }

Mit Hilfe der Beziehung~\Fref{Erww} l„át sich daraus die zeitliche Entwicklung
der ,Pseudo`-Spinkomponenten berechnen. In dieser Darstellung sind noch keine
Wechselwirkungen der Systeme untereinander und mit dem Gitter ber�cksichtigt
worden. Man erh„lt also nur den rein koh„renten Teil der Zeitabh„ngigkeit. Zur
ph„nomenologischen Beschreibung der inkoh„renten šberlagerung wurden schon 1946
von Bloch f�r Spin-$1/2$-Systeme die Relaxationszeiten $\tau_1$ und $\tau_2$
eingef�hrt \Rref{Blo46}. Auf das hier vorliegende Problem �bertragen erh„lt
man schlieálich

\GlNummer{Blo}
\def\DT#1{{d\over dt} \EW{\Sa_{#1}}\;=\;&}
$$\eqalignno{%
 \DT{x} \,-{\EW{\Sa_x}\over\tau_2}\,-\,
      {E+A\over\hbar}\EW{\Sa_y} & {\Fabc{Blo}a}\cr
\AH{0.8cm}\DT{y} \,-{\EW{\Sa_y}\over\tau_2}\,+\,{E+A\over\hbar}\EW{\Sa_x}
   +{A_0\over\hbar}\EW{\Sa_z} & {\Fabc{Blo}b}\cr
\AH{0.8cm}\DT{z} \,-{\EW{\Sa_z}-\Sa_z^0(\vek F)\over\tau_1}
   \,-\,{A_0\over\hbar}\EW{\Sa_y} & {\Fabc{Blo}c}\cr  }$$

Unter $\tau_1$ versteht man die Zeit, nach der ein System vom angeregeten
Zustand wieder in den Grundzustand zur�ckf„llt, z.B.~durch eine resonante
Wechselwirkung mit einem thermischen Phonon. In Analogie zu den
Spin-$1/2$-Systemen im Magnetfeld wird $\tau_1$ auch als longitudinale
Relaxationszeit bezeichnet. $\Sa_z^0(\vek F)$ beschreibt in \Fref{Blo} die
Besetzungszahldifferenz im thermischen Gleichgewicht bei anliegendem
elektrischen St”rfeld. Aufgrund der Zeitabh„ngigkeit des angelegten
elektrischen Feldes ist auch $\Sa_z^0$ abh„ngig von der Zeit:

\Gle{}{\Sa_z^0(\vek F)\;=\;-{1\over2}\tanh
  \left({E(t)\over2\k T}\right)\;=\;
  -{1\over2}\tanh\left({\sqrt{\Delta_0^2
      +\left(\Delta+2\left({\Delta\over E}\right)
        \vek p\cdot\vek F(t)\right)^2}\over2\k T}\right)}

Die transversale Relaxationszeit~$\tau_2$ beschreibt, wie schnell die Koh„renz
der quantenmechanischen Phase der Tunnelsysteme verloren geht. Wenn zu einem
bestimmten Zeitpunkt die Tunnelsysteme eine korrelierte feste Phasenbeziehung
haben, k”nnen sie diese im weiteren Verlauf durch verschiedene Prozesse
verlieren. Zum Beispiel verliert ein System seine Phasenbeziehung zu den
anderen Systemen, wenn es St”áe mit Phononen erleidet und eine longitudinale
Relaxation ausf�hrt. Es gilt deshalb $\tau_2\!\le\!\tau_1$. Andere m”gliche
Prozesse sind auch Wechselwirkungen der Tunnelsysteme untereinander
(z.B.~spektrale Diffusion). $\tau_2$~wird auch als Phasenkoh„renzzeit
bezeichnet.

\ukap{Station„rer Fall}

Die Blochgleichungen k”nnen leider nicht allgemein gel”st werden. Es lassen
sich aber unter bestimmten Voraussetzungen gute N„herungen angeben. Nachfolgend
soll der Fall behandelt werden, daá die Zeit, in der die St”rung anliegt, groá
ist gegen�ber den Relaxationszeiten $\tau_1$ und $\tau_2$. Auf diese Weise
k”nnen die Einfl�sse von $\tau_1$ und $\tau_2$ auf das zeitliche Verhalten von
$\Sb$ vernachl„ssigt werden.

Die Blochgleichungen werden �blicherweise f�r zirkular polarisierte Felder
angegeben, weil dies der mathematisch einfachere Fall ist. Im Experiment werden
aber normalerweise nur linear polarisierte Felder an die Proben angelegt. Ein
linear polarisiertes Feld l„át sich aber als šberlagerung von zwei zirkular
polarisierten Feldern dargestellen. Als Ansatz zur L”sung der
Blochgleichungen~\Fref{Blo}{a-c} wird deshalb f�r $\vek F(t)$ der Ansatz

\Gle{}{\vek F(t)\;=\;2\vek F_0 \cos\omega t \;=\;
  \vek F_0\left({{\rm e}^{{\rm i}\omega t}+{\rm e}^{-{\rm i}\omega t}}\right)}

\ke
gemacht. Dies sind also zwei Felder mit den Frequenzen $\omega$ und $-\omega$.
In erster N„herung kann die Feldkomponente mit der Frequenz~$-\omega$
vernachl„ssigt werden. D.h.~daá sich die �blichen Darstellung der L”sungen der
Blochgleichungen auch f�r Probleme mit linearpolarisierten Feldern �bertragen
l„át. Man erh„lt \Rref{Hun76}

\def\omr{\omega_{\rm r}}
\GlNummer{BloLo}
$$\eqalignno{ \EW{\Sa_x}\;=\;& - A_0 \,{\Sa_z^0(0)\over\hbar}\,
    {2\omr \over \omr^2-(\omega+{\rm i}\tau_2^{-1})^2} &{\Fabc{BloLo}a}\cr
  \AH{0.8cm}  \EW{\Sa_z}\;=\;& \;2A\, {\partial\Sa_z^0(0)\over\partial E}
   \,{1 \over 1-{\rm i}\omega\tau_1} &{\Fabc{BloLo}b}\cr}$$

\ke
$\Sa_z^0(0)$ ist dabei die Besetzungszahldifferenz im thermischen Gleichgewicht
ohne das Feld~$\vek F$. Die Resonanzfrequenz~$\omr$ der Systeme ist gegeben
durch $\omr=E/\hbar$. F�r die Zwei-Niveau-Systeme gilt
$\Sa_z^0(0)={1\over2}\tanh(E/2\k T)$.

\nonumber
\uukap{Meágr”áen}

\def\eps{\epsilon}
F�r die in dieser Arbeit durchgef�hrten Experimente ist die
Dielektrizit„tskonstante~$\varepsilon$ die interessierende Gr”áe. Die komplexe
Zahl~$\varepsilon$ l„át sich in Realteil ($\varepsilon'$) und Imagin„rteil
($\varepsilon''$) auftrennen. In der vorliegenden Arbeit ist der Realteil von
$\varepsilon$ eine h„ufig gebrauchte Gr”áe. Um die Schreibweise zu vereinfachen
wird deshalb f�r $\varepsilon'$ das Zeichen $\eps$ gesetzt ($\eps
:=\varepsilon'$, man beachte die unterschiedliche Form). Es gilt also:

\def\tand{\tan(\delta)}
\Gle{}{\matrix{ %
  \varepsilon & = & \varepsilon' & + & {\rm i}\,\varepsilon''\AHq{28pt}\cr
  \AH{0.7cm}  & = & \eps\;\;(\,1   & + & {\rm i}\,\tand\,) \cr }}

\ke
Komplexe Zahlen lassen sich in einer Zahlenebene mit Hilfe eines Ortsvektors
darstellen. In dieser komplexen Zahlenebene beschreibt ${\bf\delta}$ den Winkel
zwischen der $x$-Achse (reele Achse) und dem Ortsvektor der komplexen
Zahl~$\varepsilon$. šber die Beziehung $\varepsilon=1+\chi$ ist $\varepsilon$
mit der dielektrischen Suszeptibilit„t~$\chi$ verkn�pft. Es gilt f�r die
elektrische Polarisation~${\cal P}$

\Gle{Susz}{{\cal P}\;=\;N\EW{\vek P}\;=\;\varepsilon_0 \chi \vek F,\qquad
\vek P \;=\; {1\over E}\pmatrix{\Delta&-\Delta_0\cr
  -\Delta_0&-\Delta\cr} \vek p }

\ke
Die Berechnung von $\chi$ geschieht hier mit Hilfe des Dipoloperators~$\vek P$.
Dessen Erwartungswert ergibt sich zu

$$\eqalignno{ \EW{\vek P}\;=\; & {\rm Spur\,}\left(\varrho\vek P\right)
   =\;-{\Delta_0\over E}\vek p\,(\varrho_{12}+\varrho_{21})\,
     +\,{\Delta\over E}\vek p\,(\varrho_{11}-\varrho_{22})& \cr
  \AH{0.8cm}=\;&-2{\Delta_0\over E}\vek p\EW{\Sa_x}\,
     +\,2{\Delta\over E}\vek p\EW{\Sa_z}  & {\rm\Flab{gD}}\cr}$$

F�r $\EW{\Sa_x}$ und $\EW{\Sa_z}$ setzt man die L”sungen \Fref{BloLo} ein und
erh„lt mit Hilfe von Gleichung~\Fref{Susz} f�r die Suszeptibilit„t den Ausdruck

\def\ASYM{\,{\klam({\Delta\over E}\klam)\!\!}^2\,}%
\def\SYMME{\,{\klam({\Delta_0\over E}\klam)\!\!}^2\,}%
\Gle{RelRes}{\chi=\underbrace{2N\,
   {(\vek p\cdot\widehat{\vek F})^2\over\varepsilon_0}\SYMME
   {\Sa_z^0(0)\over\hbar}\,
   {2\omr\over\omr^2-(\omega+{\rm i}\tau_2^{-1})^2_{\AH{3mm}}}\AHt{0.5cm}
   }_{\hbox{\AH{14pt}Resonanter Beitrag}}\;+\;
   \underbrace{\AHt{0.5cm}
   4N\,{(\vek p\cdot\widehat{\vek F})^2\over\varepsilon_0}\ASYM
   {\partial\Sa_z^0(0)\over\partial E}\,{1\over1-{\rm i}\omega\tau_1}
   }_{\hbox{\AH{14pt}Relaxationsbeitrag}}}

\ke
wobei $\widehat{\vek F}$ den Einheitsvektor in Feldrichtung bezeichnet. Es sind
zwei komplexe Anteile der Suszeptibilit„t zu erkennen. Diese Anteile sind
Resonanz- und Relaxationsterme, die beide komplexwertig sind, also beide sowohl
zur Dispersion als auch zur Absorption beitragen.

Die durch die Messungen ermittelten Gr”áen sind der dielektrische
Verlustwinkel~$\tand$ und die relative Žnderung des Realteils von
$\varepsilon$, also $\delta\eps/\eps$. Die Ergebnisse f�r die einzelnen
Beitr„ge m�ssen also noch in Real- und Imagin„rteil aufgetrennt werden. F�r die
Umrechnung des Ergebnisses von Gleichung~\Fref{RelRes} auf diese beiden Gr”áen
wird benutzt, daá

\Gle{}{\delta\eps\;=\;\delta({\rm Re}\chi) \quad \hbox{und} \quad
  \tand\;=\;{1\over\eps}\;{\rm Im}\,\chi}

\ke
Die Darstellung der einzelnen Beitr„ge f�r $\tand$ und $\delta\eps/\eps$
ergibt dann f�r den Relaxa\-tions\-beitrag:
\def\REL{_{\rm rel}}%
\def\RES{_{\rm res}}%
\def\SECH{{\rm sech}^2 \left({E\over2\k T}\right)}%
\def\vortermA{{N(\vek p\cdot\widehat{\vek F})^2\over\varepsilon_0\eps\k T}}%
\def\vortermB{\AH{1.2cm}{N(\vek p\cdot\widehat{\vek F})^2
       \over\varepsilon_0\eps\hbar}}%
\GlNummer{Bloch}%
%---------------------------
$$\eqalignno{
    \left.{\delta\eps\over\eps}\right\vert\REL \, = \, &
  \vortermA \ASYM \SECH {1\over1+(\omega\tau_1)^2} & {\Fabc{Bloch}a} \cr%
%---------------------------
   \AH{1.2cm} \tand\,\REL \, = \, &  \vortermA \ASYM
        \SECH {\omega\tau_1\over1+(\omega\tau_1)^2} & {\Fabc{Bloch}b} \cr  }$$
%---------------------------
und den resonanten Beitrag:
$$\eqalignno{
     \left.{\delta\eps\over\eps}\right\vert\RES \, = \, &
  \vortermB \SYMME\! \tanh\!\left({-E\over2\k T}\right)
  \left[ {\tau_2^2(\omega-\omr)\over1+\tau_2^2(\omega-\omr)^2}-
  {\tau_2^2(\omega+\omr)\over1+\tau_2^2(\omega+\omr)^2}
  \right]\AHq{1.1cm}  & {\Fabc{Bloch}c} \cr%
%---------------------------
  \tand\,\RES \, = \, & \vortermB \SYMME\!
   \tanh\!\left({E\over2\k T}\right)
   \left[{\tau_2\over1+\tau_2^2(\omega-\omr)^2}-
   {\tau_2\over1+\tau_2^2(\omega+\omr)^2}
   \right]   \qquad   & {\Fabc{Bloch}d} \cr}$$

\smallskip
\ke
Die verschiedenen Abh„ngigkeiten der Relaxationsprozesse und resonanten
Prozesse von der Frequenz des eingestrahlten Feldes und von der Temperatur
sollen im n„chsten Abschnitt n„her erl„utert werden.

\nonumber
\uukap{Relaxation}

Durch das externe Feld wird die Asymmetrieenergie moduliert und damit auch die
Energieaufspaltung~$E$. Die Žnderung der Energieaufspaltung bringt die
Tunnelsysteme aus der thermischen Gleichbesetzung. Die Systeme versuchen durch
Relaxationsprozesse die Besetzungszahl dieser Žnderung anzupassen. Ein mit der
Frequenz $\omega$ oszillierendes Feld bewirkt eine periodische Žnderung von $E$
mit der gleichen Frequenz. Die Auswirkungen der Relaxation h„ngen von dem
Verh„ltnis der Frequenz $\omega$ und der Relaxationszeit $\tau_1$ ab. F�r
kleine Frequenzen (d.h.~$\omega\ll\tau^{-1}_1$) k”nnen die Systeme der Žnderung
von $E$ sofort folgen. Die Phasendifferenz~$\phi$ zwischen dem elektrischen
Feld (und damit $E$) und der Besetzungszahl ist dann nahezu Null. Dem Feld wird
deshalb im Mittel keine Energie entzogen, die Ausbreitungsgeschwindigkeit und
damit der Realteil von $\chi$ bleibt konstant. Bei hohen Frequenzen
($\omega\gg\tau_1^{-1}$) ist es den Tunnelsystemen nicht m”glich der Žnderung
zu folgen. Die Phasendifferenz~$\phi$ wird $180^{\circ}$ und die Besetzungszahl
„ndert sich kaum. Die Absorption ist deshalb auch hier sehr klein und der
Realteil erf„hrt keine Žnderung. Wenn die Periode der St”rung und die
Relaxationszeit gleichlang sind ($\omega\tau=1$), wird $\phi=90^{\circ}$. Die
Absorption wird maximal und in diesem Frequenzbereich hat der Realteil die
gr”áte Žnderung. Bild~\Aref{theoA} zeigt den Verlauf dieser
Frequenzabh„ngigkeit.

\midinsert
 \db{5.5}{theoA}{Frequenzabh„ngigkeit von Real- und Imagin„rteil
  von $\varepsilon$. F�r $\omega\tau=1$ wird  die Absorption
  maximal, gleichzeitig ist die Žnderung des Realteils hier am
  gr”áten. }{theoB}{Verlauf des temperaturabh„ngigen Faktors in
  den Relaxationsbeitr„gen f�r konstantes $\tau_1$.
  Der Verlauf ist in der halblogarithmischen Darstellung gezeigt. }
\endinsert

Die Ergebnisse der hier durchgef�hrten Messungen werden �blicherweise in
Abh„ngigkeit von der Temperatur dargestellt. Die Tempera\-tur\-ab\-h„ngigkeit
der Relaxationsbeitr„ge von Gleichung~\Fabc{Bloch}{a,b} wird durch den Faktor
${1\over\k T}{\rm sech}^2\bigl({E/2\k T}\bigr)$ beschrieben. Der Verlauf dieses
Ausdruckes ist in Bild~\Aref{theoB} in einer halblogarithmischen Darstellung
gezeigt. Die Meáergebnisse werden auf die gleiche Weise dargestellt. Dabei
sollte beachtet werden, daá die Relaxationsrate~$\tau_1^{-1}$ ebenfalls von der
Temperatur abh„ngt. Bild~\Aref{theoB} zeigt also den Verlauf der Meágr”áen
f�r eine konstante Relaxationsrate.

\bigskip\dots

\dateiende

